
Hallo da draußen!
Ich habe schon lange nichts mehr hier geschrieben.
Irgendwie ist mein Leben aus der Bahn geraten. Es sieht so aus, als würde ich bald alles verlieren was ich habe.
Ich hatte einen Job, der mir Spaß gemacht hat. Ich hab mich sehr hineingetigert, da ich privat kein Glück in der Liebe habe, war der Job, meine Freunde und meine Hobbies mein Leben.
Im Jänner diesen Jahres, habe ich von einem Tag auf den anderen diesen Job verloren, weil der Inhaber sich runtergewirtschaftet hat, ein Chaot war und nichts auf die Reihe bekommen hat, außer sich zu betrinken. Es war ein Schock und ich hab den Boden unter den Füßen verloren.
Ich hab sofort begonnen mich wieder zu bewerben und ich schätze, ich habe ca. 50 bis 60 Bewerbungen verschickt. Bis Ende Juni war die Ausbeute ganze 2 Gespräche. Der Rest waren Absagen, aber von den meisten hört man gar nichts. Gar kein Feedback. Kein Danke, aber Sie sind es nicht, kein leck uns Arsch, du bist zu alt, zu teuer, zu doof oder zu überqualifiziert. Im Juni dachte ich den Jackpot gemacht zu haben. Eine Filmproduktionsfirma war von mir begeistert und wollte mich haben. Ich war so glücklich. Ich dachte, das ist es jetzt. Das ist mein Traum, der Lohn für die ganze Mühe. Mitte August sollte es losgehen. Wie war ich aufgeregt. Genau mein Metier. Ich liebe Kino, ich liebe Film, ich schreibe selbst. Der einzige Wehmutstropfen war, es war wieder eine Frau meine Vorgesetzte. In meinem bisherigen Leben, haben Frauen, die ein Problem mit ihrer Weiblichkeit oder ihren eigenen Emotionen haben, ein Problem mit mir. Diesmal dachte ich mir wieder, wie jedesmal, diese Frau ist vielleicht anders. Diese Frau kann mir auf Augenhöhe begegnen, ohne mich klein zu machen und mich herabzusetzen.
Die ersten beiden Wochen hatte ich noch von meiner Vorgängerin eine Einschulung bekommen. Sehr chaotisch, sehr unorganisiert. War alles noch kein Grund zur Beunruhigung. Ich check sowas schon und arbeite mich da locker hinein. Was das Problem war und was ich vom ersten Tag an gespürt habe war, die Ablehnung von meiner Vorgesetzten (dieses Wort alleine... brrr...). Wie ich diese Ablehnung gespürt habe? Jedesmal, wenn ich sie angesprochen habe, oder wenn ich beim Mittagessen ein Gespräch beginnen wollte, hat sich mich nicht angesehen. Ich habe zwar Antworten bekommen, aber dabei wurde ich nicht angesehen. Das kam mir komisch vor. Ich äußerte meine Bedenken bei meiner Vorgängerin, die meinte aber, dass das nur "fremdln" ist, weil sie beide so ein gutes Verhältnis hatten. Nun ja dachte ich mir, gibst du ihr die Zeit, wenn die eine dann weg ist, wird sich schon alles einrichten. Meine beiden anderen Kolleginnen hingegen, haben mich sofort herzlich aufgenommen und gesagt wie froh sie nicht wären, dass ich endlich da bin und jetzt wird alles besser und ich werde den Job viel besser machen als meine Vorgängerin. Ich war beflügelt und motiviert.
Der Tag kam, meine Vorgängerin war weg und nichts wurde besser. Nach sage und schreibe gerade mal 4 Tagen wurde ich herablassend behandelt, bekam nur mehr schnappige Antworten, von meiner Vorgesetzten und einer der Kolleginnen, die mich davor noch in den Himmel gehoben hat. Mein untrügliches Bauchgefühl schrie bereits in mir, dass ich hier nicht glücklich werden würde. Aber der Druck von meinem Vater, der mir unmißverständlich klar gemacht hat, dass ich im Leben was aushalten muss und nicht wieder davon rennen könne, wenn was ist, hat mich nicht auf mein Bauchgefühl hören lassen. Ich dachte mir, bitte nicht schon wieder... Aber der Job hat mir Spaß gemacht, ich wollte das um jeden Preis. Und so hab ich für mich beschlossen, alles hinzunnehmen was da kommen mag. Ich hab ja schon hingenommen, dass mir die Arbeitszeit gekürzt wurde und ich eigentlich mit diesem Einkommen kein Auskommen hatte.
Es war der 5. Tag. Ich kam in der Früh ins Büro, stellte meine Tasche auf den Schreibtisch, der fast am Auseinanderbrechen war und wurde gleich mit der Anwesenheit meiner Vorgesetzten konfrontiert. Die einzige nette Kollegin war auch im Zimmer. "Ich habe gestern beschlossen, dass das mit uns beiden nicht klappt. Du hast die grundlegenden Kenntnisse einer Sekretärin nicht und ich will mit dir nicht wieder von vorne beginnen." Die nächste Welt, die zusammenbrach.
Aber gar nicht wegen des Verlustes der Arbeitsstelle nach 3 Wochen, ich hatte es ja eh schon geahnt, nein, weil mir in der Sekunde klar war, dass ich finanziell ruiniert bin. Die Arbeitslosigkeit davor, hat mich schon sehr viel Geld gekostet. Das Arbeitslosengeld war aufgebraucht, es gab nur mehr Notstand und nach 3 Wochen hat man keinen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Das wurde mir alles sofort klar.
Ich stand da und war verzweifelt. Ich fragte noch, ob es etwas Persönliches sei, denn als Begründung zu nennen, dass ich einen Ordner vergessen hätte wegzuräumen und eine bestimmte Funktion im Word noch nicht gearbeitet hatte, das konnte für mich nicht der Grund sein. Natürlich sei es nichts Persönliches, und blickte dabei zu Boden. Ich packte also meine Sachen und fuhr zurück in mein Dilemma.
Seither sind eineinhalb Monate vergangen. Ich habe bereits wieder ca 20 Bewerbungen geschickt. Davon haben ca. 5 abgesagt, der Rest ist Schall und Rauch. Was ist das eigentlich neuerdings für ein Benehmen von Firmen, sich überhaupt nicht zu melden? Nicht einmal ein Standard E-Mail erhält man. Eine Unart, die sich hier offenbar kultiviert hat. Denkt denn niemand an die Menschen, die hinter einer Bewerbung stehen? Wo bleibt denn bitte noch die Menschlichkeit? Nach quasi 8monatiger Arbeitssuche, hat die permanente Nichtreaktion und die paar Absagen in mir erreicht, dass ich mir wie eine Null vorkomme. Wertlos. Mit jeder Bewerbung, die ich ins Nirwana schicke, schicke ich ein Stück meiner Seele fort. Wie kann man sich denn nach dieser Zeit nicht mehr kränken? Ich schaffe es jedenfalls nicht.
Seit eineinhalb Monaten schlafe ich kaum mehr. Ich esse kaum mehr, ich weine, weil niemand da ist, der mich in den Arm nimmt und sagt, dass alles wieder gut wird. Ich bin allein. Und ich frage mich, wie lange ich das noch aushalten kann. Ja lieber Vater, ich halte schon mein ganzes Leben lang aus. Dinge, von denen du keine Ahnung hast, Dinge, von denen du auch nie erfahren wirst.
Wenn ich nicht bis Ende Jänner einen Job habe, wird das Notstandsgeld nochmal gekürzt und ich muss meine Wohnung hergeben, mein Auto verkaufen und was ich sonst noch so zu Geld machen kann, um überleben zu können.
Jetzt sitze ich hier, bin fast 40 und habe nichts. Ich habe keine Arbeit, ich habe kein Geld, ich habe keinen Mann, seit 15 Jahren keine Liebe und wahrscheinlich werde ich auch nie eine eigene Familie haben.
Wenn da draußen jemand von einem Job im Office-Bereich weiß (Assistenz, Sekretariat, Sachbearbeitung, etc.), dann bitte schreibt mir. Ich bin sehr dankbar für jeden Tipp, den ihr habt.
Es ist jetzt halb vier Uhr nachts. Meine Gedanken hören nicht auf zu kreisen. Es wird wohl heute auch nichts mit schlafen.
Danke fürs Zuhören...